Aktionskonsens

Der folgende Aktionskonsens bildet den verbindlichen Rahmen unserer Aktion zivilen Ungehorsams. Er wurde in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet und von allen Beteiligten der Kampagne im Konsensverfahren beschlossen. Der Aktionskonsens ist die Voraussetzung dafür, dass die Aktion für alle Teilnehmenden möglichst angenehm, gut einschätzbar und transparent ist. Wir wollen dadurch deutlich machen, dass wir uns auch in Aktion umeinander sorgen und uns gegenseitig unterstützen. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich dazu ein, sich an unserer Aktion zu beteiligen.


Block Bayer ist eine Kampagne zivilen Ungehorsams in Solidarität zum internationalen Tag des bäuerlichen Widerstandes, die sich gegen den industriellen agrochemischen Komplex und die von ihm ausgehende Gefahr für Leben, Freiheit und Selbstbestimmung richtet.
Am 17. April, vor dem Hintergrund eines transnationalen Aktionstages, werden wir uns dahin begeben, wo es der agrarkapitalistischen Industrie am meisten weh tut und eine Produktionsstätte des rheinländischen Agrarchemiekonzernes Bayer belagern. Wir werden Zufahrten und Eingänge mit unseren Körpern blockieren und so den reibungslosen Fabrikationsablauf der Produktionsstätte friedlich durchkreuzen. Als Aktionsform wählen wir eine bunte und möglichst zugängliche Massenblockade in der erfolgreichen Tradition des Klimagerechtigkeitsprotests, die vielfältige und kreative Möglichkeiten für Beteiligung bietet. Wir werden uns durch eine gezielte und sorgfältige Aktionsplanung auf die Massenblockade vorbereiten. Dabei freuen wir uns, wenn autonome Kleingruppen beschließen, eigenverantwortliche Aktionen jenseits unseres angekündigten Aktionsbildes zu machen.
Angesichts der Dringlichkeit von Klimakrise, Artensterben, zunehmender Nahrungsunsicherheit und Armut sowie sich immer weiter zuspitzenden Ausbeutungsverhältnissen in der bäuerlichen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft sehen wir uns dazu verpflichtet, die kriminellen Machenschaften des agrarkapitalistischen Systemes ans Licht zu führen und diese an ihrem globalen Schaltpult herauszufordern. Wir begeben uns dafür an an eine Pestizidproduktionsstätte, da die Herstellung und der kommerzielle Vertrieb von Agargiften in unseren Augen den Grundstein dafür legt, dass Bäuer*innen und Indigene weltweit in Existenznot gedrängt, Lebens- und Nahrungsgrundlagen zerstört, Arten in Tausenden ausgelöscht und das Wohl menschlichen und nicht-menschlichen Lebens in Gefahr gesetzt wird. Dem allen zugrunde liegt ein marktförmiges Agrarwirtschaftsmodell, das die Zerstörung des Lebens zu seinem Unternehmensziel macht.

Da wir das Recht auf Leben jetziger und zukünftiger Generationen somit in unmittelbarer Gefahr sehen, erachten wir es als notwendig und legitim, in unserem Protest bewusst vorherrschende Regeln und Gesetze zu übertreten. In diesem Sinne informieren wir uns laufend über die potentiellen zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen unserer Aktion und übernehmen kollektiv und solidarisch Verantwortung für die Aktivist*innen, die durch die Aktion womöglich juristisch belangt werden. Dabei sind wir uns auch der Privilegien bewusst, die uns eine bewusste Gesetzesübertretung ermöglichen.
Während der Aktion werden wir uns ruhig, besonnen und vorausschauend verhalten und in keiner Situation Eskalation betreiben. Wir werden keine Produktionsmittel zerstören oder beschädigen und keine Person in ihrer Gesundheit gefährden. Während der gesamten Aktion, und darüber hinaus, steht die Sicherheit aller Beteiligten für uns an erster Stelle. In den Aktionsgruppen achten wir aufeinander und sorgen aktiv für das Wohlergehen aller Gruppenmitglieder. Wir handeln mit Bedacht und Vorsicht und legen großen Wert auf eine wertschätzende und respektvolle Kommunikationskultur. Unser Protest richtet sich nicht gegen einzelne Personen und Arbeiter*innen des Produktionsparks, sondern gegen den gesamten, industriell-agrarkapitalistischen Komplex. Dennoch sind wir uns bewusst, dass unsere Aktion den (Arbeits-)Alltag von Unbeteiligten für eine gewisse Zeit behindern könnte. Im Anbetracht der drängenden Sachlage nehmen wir dies empathisch in Kauf.
Indem wir unseren Widerstand an die Wurzel des agrarkapitalistischen Systemes führen, machen wir von den besonderen Privilegien, die wir als Bewohnerinnen des Globalen Nordens genießen, Gebrauch und stellen uns gegen die neokolonialen Strukturen, die Kleinbäuer*innen, Frauen* und Indigene zugunsten immer größerer Umsätze in Abhängigkeit treiben. Mit unserer Aktion wollen wir uns nicht in Szene werfen, sondern stattdessen ein Zeichen der globalen Solidarität zu Ehren des Internationalen Tages des kleinbäuerlichen Widerstands setzen. Deshalb koordinieren wir uns mit Basisorganisationen weltweit und verweisen in unserer Pressearbeit auf die Aktionen, die zeitgleich an diesem Tag an Pestizidproduktionsstätten in vielen anderen Ländern der Welt stattfinden. Die Reichweite, die wir mit unserer Aktion hier zulande erzeugen, wollen wir dabei dazu nutzen, das Erbe kleinbäuerlicher, dörflicher und indigener Widerstände ins Licht zu rücken, die bereits seit Jahrzehnten dem Raubzug transnationaler Agrarmultis entgegen halten und unserer aller Lebensgrundlagen bewahren. Mit Hinblick auf unsere Positionierung innerhalb globaler Macht- und Herrschaftsverhältnisse reihen wir uns rücksichtsvoll in die lange Tradition weltweiter freiheitlicher Bewegungen ein. Wir begreifen das Ringen um Ernährungssouveränität, Agarökologie und die Dekolonisierung weltweiter Wirtschafts- und Wissenssysteme als integralen Teil unseres übergeordneten Kampfes für Klimagerechtigkeit. Dabei stehen wir solidarisch mit allen emanzipatorischen Kämpfen weltweit und streben der Überwindung aller herrschaftsförmigen Unterdrückungsverhältnisse entgegen.

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